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Mitlesebuch 73, Gedichte - Achim Wannicke

Mutwillig

Sieh doch, ich bin zurück
aus gekonnter Verzweiflung
will den verlernten Anfang tun
dem Schlaf entwachsen und dem Zorn.

Weiß, nachdem ich loszulassen übte
wann das Freie zu betreten ist
in Worten, im Schicksal.
Mich wieder gutzumachen kam ich her.

Schwitzhütte

Die Trommel reißt mich hin, befugt betrete ich Gefühle
dunkel ward ihr lange, weil ich mich so wenig weiß.
Nur Gedanken spielen dem Wind noch immer seine Bräute
sie kommen zurecht. Nicht nach der Art antiken Gleichmaßes
kein germanischer Furor, keine ägyptische Gewissheit
kein verspielter Anfang in Agartha.
Sie halten Hof im Schaden, ozongeschminkt
Nuancen von Blau um die Brüste.
Verschwenderisch spricht die Nacht
ihre aufgebürdeten Jahre ins Stammhirn.
Mit fliegenden Rockschößen tanzen draußen Kastanienweiber
runzeln Stirnrinden, erwarten Ärgeres als sauren Regen
locken hierhin und dorthin, versuchs, versuchs, versuchs.
Ach, fänden dort meine Herkunft
meine alte Haut, mein Zugehören, verfielen aufs Streiten
was ich verlor, sprechen das Nebeneinander
mit blattgrünen Zungen, als wär’s grad erst gewesen.
Meinerzeit beschlich ich den Ginsterbusch
war nicht schwer, leuchtete so in dichtem Fell grün
trank Tannensaft und die Wünsche wollten nicht länger
gesprochen sein im falschen Gewisper meiner Angst.
Götter fliehen den Kopf, alte Geber. Manche Steine sind
gewandert ins Wurzelgewirr des Waldes, sie eilen nicht
eine Fläche wendet sich immer den Schatten zu.
So fanden sie uns.
Schöner Bruder, Graukopf, glühend gehütet
unter Gemurmel bewegt, gibst du meinen Willen wieder frei.
Deine Röte, dein Weiß, dein altes Schwarz bewegt sich
zwischen nassen Körpern. Und gut.
Es verschwistern sich die Jahrtausende Stirn an Stirn
über dem zischenden Rauch, ich atme neben mir
mein Körper hängt in den Augenblicken
wie ein leichter Geruch von Sommergras.
Einfache Dinge tönt der Stein
trägt alles Entbehrliche von mir zum Feuer
dort erlischt der Träumer mit Erde an den Händen.

Vater an Tochter


Zum Drachenfest meiner Tochter Julia



Ich habe dich gewollt.
Ein Sonnenkind. So rief ich dich
mit aller Macht und als du kamst
gab ich dir Herzensrecht in meinem Leben.

Von Anfang an
war in jedem Lachen und in jedem Wort
das du an mich gerichtet hast
soviel an Wunder
aus fernen Tagen meiner Zeit.
Nun also du.

in den dreizehn Jahren war ich in Gnade.
Beschützer all der kleinen Kümmernisse
Seelenfreund und auch ein kleiner Junge
mit der lang vermissten Schwester.
Auf jeden Ruf von mir
gabst du den Laut des Zugehörens.

Geliebte Tochter
du hast viel in mir geheilt.
Bist jetzt an jener Lebensschwelle angekommen
an der auch ich
vor vielen Jahren mein Männerspiel begann
und jener Traum von dir bereits den Anfang nahm.

Verzeih mir
Wenn ich nicht alles für dich war, was du ersehnst.
Deine alte Heimat ist die Liebe
und als dein Vater übergebe ich dich heute wieder
der weisen Kraft all jener Mütter
die hinter dir zu spüren sind.

Wage du als Frau
zu träumen und zu irren.